Paul Wühr

Ob

es keinen Grund gäbe zu jubeln für Bayerns
Demokraten welche Städte bewohnen und keinen
Anlaß

Bürgerfeste zu feiern aus Freude über den Verlust
einen eventuellen ihres römisch-katholischen
Ministerpräsidenten

nämlich bitte sollte auf ländlich dörfliche Weise
bald von oben her nachgeholfen worden sein
und sein Kirchenvolk dort

im hohen Norden pünktlich weißen Rauch aus dem
Reichstag steigen sehen und in heißen Tränen
ersticken da ihr

von Kirchenvätern Bestimmter seinen heimischen
Herrgottswinkel nämlich einen von Garanten
ewiger Wahrheiten die

unser aller Recht auf Selbstbestimmung bedrohen
besetzter verlassen würde um in naher Zukunft
im Lande Brandenburg

nur zum Beispiel eine auf bairisch verschlampte
Theologie abspielen lassen zu können nämlich
einen Vater am Kreuz

der den Erlöser braucheshalber vertritt und als
Dreingabe eine Maria als Mutter des Vaters
mein Gott

was für eine Fremdbestimmung preußischer Frauen
Berlin würde Hauptbahnhof für Kreuzzüge
gegen Schwangerschaftsabbruch

andere wetterten in den Schulen kreuzeshalber
Chefsache wäre Verdammung der Achtundsechziger
Kreuzzüge gäbe es

gegen die Lust am Leben und gegen die Würde
des Sterbens gegen die Ehe von gleichen
Geschlechtern kein

Sex vor der Trauung nach ihr Kreuzzüge gegen
jede Verhütung die Familienplanung im Himmel
auf Erden möglichst

wenig Vergnügen Fazit Seligsprechung von Leid
und Schmerz Amen ob es also nicht klüger wäre
für Demokraten nämlich

jenen in den Städten den Jubel beim Abgang
ihres Landesvaters zu unterlassen sein
Geist würde

nicht mehr aus Altötting und nicht nur über
uns Bayern kommen sondern aus Berlin und
über ganz Deutschland

Erstdruck: DIE ZEIT, 19.September 2002, Nr. 39, Feuilleton, S. 39

Wir danken Paul Wühr für die Abdruckgenehmigung. Der Text richtet sich nach dem Manuskript des Autors.