Die Verleihung des F.-C.-Weiskopf-Preises an Paul Wühr

 

"Während die ganze Stadt vom ilb mit Events überzogen wurde, versammelte sich am 22. Juni ­ durchaus symptomatisch ­ eine kleine verschworene Gemeinde in der Akademie der Künste, wo dem großen Paul Wühr der F.-C.-Weiskopf-Preis verliehen wurde. Die Dankesrede des 1927 geborenen Bayern war ein Plädoyer für eine widerständige Literatur, für eine subversive „Ästhetik des Falschen". Klaus Ramm brachte es in seiner Wühr-Laudatio auf den Punkt: Das eigentliche Zentrum heutigen Schreibens liegt an der Peripherie, unbehelligt vom Literaturbetrieb."

Florian Neuner 'Poeten helft uns! Die Stadt als Schmetterling: Was vom „internationalen literaturfestival berlin“ bleibt.(scheinschlag-online 07-2001/vgl Linkliste)

 


Der F.-C.-Weiskopf-Preis wurde Paul Wühr vom derzeitigen Präsidenten der Akademie György Konrád übergeben, Rainer Kirsch sprach Begrüßungsworte, die Laudatio (die Sie im nächsten Jahrbuch lesen werden können) hielt Klaus Ramm. Die Jury, der die vorhergehende Preisträgerin Elke Erb, Rainer Kirsch und Klaus Ramm angehörten, würdigt damit
„Paul Wührs so umfangreiches, umsichtiges wie konsequentes Werk, das eine unablässige Befragung unserer tradierten ideellen Ausstattung und ihrer Erneuerung in den Auffassungen der Moderne darstellt. Die von ihm hierzu in Gebrauch genommene Sprache findet sich dank seiner Ansprüche intensiv durchleuchtet und in Bewegung gesetzt, so daß sie für das deutsche Ohr aus dem Stau des gewohnten Vorrats gelöst, entschlackt und in allen ihren Gliedern und Gelenken, den großen Worten wie den kleinen, erfrischt erscheint. Ein (in Gebrauch) Nehmen wie dieses, das zurückgibt, nämlich in gleichem Grad ein (in Gebrauch) Geben ist, verdient allen öffentlichen Dank.“
(Pressemitteilung der Akademie der Künste)

Paul Wühr dankte für den Preis mit der Rede 'SPRACHE UND POESIE' und der Lesung von 'Athene im Reichstag' (aus 'Salve Res Publica Poetica')

DER PREIS wurde von Grete Weiskopf (Ps. Alex Wedding) nach dem Tode ihres Mannes F.C. Weiskopf (geboren 1900 in Prag, gestorben 1955 in Berlin) gestiftet und von 1957 bis 1991 von der Akademie der Künste der DDR verliehen. Seit 1997 kann er von der Akademie der Künste wieder vergeben werden. Alle zwei bis drei Jahre werden Autoren sprachkritischer und sprachreflektierender Werke ausgezeichnet. Er ist mit 10.000 DM dotiert.

BISHERIGE PREISTRÄGER:
1957 Ernst Stein
1958 Stephan Hermlin
1959 Zeitschrift "Sprachpflege"
1960 Victor Klemperer (postum)
1961 Dudenredaktion
1963 Elise Riesel
1964 Rudolf Schaller
1965 Peter Hacks
1967 Johannes Bobrowski (postum)
1968 Annemarie Auer
1969 Georg Möller
1970 Eva Schumann
1972 Georg Maurer (postum)
1974 Wilhelm Schmidt
1975 Thomas Reschke
1977 Eduard Zak
1979 Mitarbeiter des Reclam-Verlages, Leipzig, (Helga Rost, Elvira Prade, Hubert Witt)
1981 Ernst Schwarz
1983 Rainer Kirsch
1985 Günter Caspar
1987 Werner Creutziger
1989 Armin Zeißler
1991 Bert Papenfuß, Thomas Rosenlöcher
1997 Detlef Opitz
1999 Elke Erb

 

Über die LINKLISTE können Sie ein Portrait Herbert Wiesners von Paul Wühr anlässlich der Preisverleihung (Der Tagesspiegel) und einen Lebenslauf von F. C. Weiskopf lesen.